30 Tage mit dem Iphone, ein Zwischenfazit

30 Tage mit dem Iphone, ein Zwischenfazit

Da befinde ich mich nun, auf meiner 30 tägigen Reise durch Thailand, die ich bewusst ohne meine Kamera angetreten bin. Ich habe mich dafür entschieden nur das Iphone 7 mitzunehmen. Nunja, so ganz richtig ist das nicht, denn ich habe mir noch ein Objektiv für mein Iphone gekauft, das Exolens® Telephoto samt Exolens® Case. Als Porträtfotograf wollte ich wenigstens ein wenig für Porträts gewappnet zu sein und nicht ganz so weitwinklig unterwegs sein.

Für mich war es ein Experiment, denn bisher habe ich stets nur mit meiner DSLR auf Reisen fotografiert. Was wird passieren, wenn ich auf einmal nur mein Iphone dabei habe? Werde ich überhaupt fotografieren? Wenn ja, WIE werde ich fotografieren? Jedes Werkzeug zwingt den Handwerker ja dazu, anders mit ihm zu agieren. Wird die Qualität der Fotos ausreichend sein? Werde ich damit zufrieden sein? All das sind Fragen, die mir im Kopf umher schwirrten und auf die es nun erste Antworten gibt. Und aber auch neue Fragen.

Fangen wir mit dem Positiven an.

Juhuuuu, ich musste nicht im Flughafen zum Sprengstofftest. Nochmal Juhu, ich musste nicht mit zwei Handgepäckstücken reisen und die ganze Zeit meinen schweren Fotorucksack schleppen. Dreimal Juhu, ich muss auch nicht meine Kamera ständig mit mir herum schleppen. Ich fühle mich auf einmal so frei, so unbeschwert und so flexibel. Das ist ein tolles Gefühl.

Ich habe mir, entgegen aller meiner modischen Grundsätze, eine Gürteltasche gekauft. In Grün. Ja, eine Gürteltasche, ihr lest richtig. Und es ist so toll, dass mein Iphone samt der Linse dort hinein passt. Ich habe immer alles parat, wenn ich es brauche und das mit einem Minimum an zusätzlichem Gewicht. Das ist Freiheit!

Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mit meinem Iphone unterwegs echt nicht auffalle. Jeder Tourist rennt mit seinem Smartphone durch die Stadt und knipst was ihm vor die Linse kommt. Und ich bin nun einer von ihnen und gehe in der Masse unter. Das macht es mir viel leichter ungestört zu fotografieren und nicht alle Blicke auf mich zu ziehen, wenn ich das »schwarze Monster« heraus hole. Schwupps, zack, schnell ein Foto, fertig und weiter. Das fetzt schon.

Die Flexibilität und das Gewicht sind schon zwei entscheidende Vorteile, die eine enorm große Wichtigkeit für mich haben.

Kommen wir nun zu den unangenehmeren Seiten.

Man man man, das ist ne echt ganz schöne Umgewöhnung. Da habe ich auf einmal nur dieses kleine Ding in der Hand und frage mich immer, wo meine Kamera nur ist. Alles muss ich auf diesem Touch-Screen bedienen und von einem wirklichen Auslöser kann ich auch nur träumen. Aber gut, es geht irgendwie. Interessant ist auch, dass sich mein Fotografierverhalten ändert, wenn ich nicht durch einen optischen Sucher schaue, sondern direkt auf das Display. Es hat zwar auch Vorteile, aber irgendwie fehlt mir da etwas. Ich nehme die Welt nicht mehr rein optisch war, sondern digitaler. Wie ich das finde, weiß ich noch nicht.

Vor allem fotografiere ich viel langsamer mit dem Smartphone, denn einerseits ist das mit dem Fokussieren so eine Sache, da ich ständig auf dem Display herum fingern muss um die Schärfe einzustellen und nebenbei ändert sich die Belichtung immer wieder nach jedem Auslösen, die ich dann stets neu korrigieren muss. Dann kommt hinzu, dass es eine echt lange Auslöseverzögerung gibt. Da ist der Moment lange schon vorbei. Irgendwann habe ich allerdings den Serienbildmodus entdeckt, der echt fantastisch ist. Keine Ahnung wie viele Fotos pro Sekunde die Kamera macht aber da kommt keine DSLR mit. Das gibt dem Ganzen wieder einen Pluspunkt. Denn ich bleibe einfach auf dem Auslöser und suche mir später das beste Bild heraus und alle anderen löscht das Iphone wieder. Das ist schon klasse, vor allem bei sich bewegenden Motiven.

Die Bildqualität ist allerdings mehr als gewöhnungsbedürftig. Klar sind die Bilder von Haus aus kleiner, das ist völlig in Ordnung. Aber wenn ich bei wenig Licht fotografiere, fordert das Bildrauschen meinen fotografischen Anspruch schon deutlich heraus. Alles wirkt leicht matschig und oftmals finde ich keine wirkliche Schärfe. Das ist eine Sache, die ich mir nach meiner Rückkehr am großen Bildschirm noch einmal genauer anschauen muss. (Ich reise nur mit einem 12,3″ Macbook Air.)

Auch habe ich die Kamera-App 645 PRO probiert, nur damit ist mir irgendwie kaum ein wirklich scharfes Bild gelungen. Ich habe die App mit der Iphone Standard-App für Fotos vergleichen und habe den Eindruck, dass die Standard-App schärfere und rauschärmere Fotos produziert. Und das obwohl mir die 645 PRO die Möglichkeit bietet Fotos im RAW Format aufzunehmen. Es kann natürlich auch sein, dass ich mich einfach zu blöd anstelle. Hinzu kommt, dass ich die HDR-Funktion der Standard-App echt genial finde, das hat mir schon so manch überstrahlten Himmel wieder in sattem blau geliefert. Das wäre mit einer Belichtungsreihe bei der DSLR deutlich aufwändiger.

Es ist schon toll so flexibel und unbeladen zu sein, wie es mit dem Smartphone aktuell der Fall ist. Allerdings geht der Fotografier-Spaß für mich deutlich verloren. Alleine schon, weil die Kamera nicht sonderlich gut in der Hand liegt. Es gibt zwar zusätzliche Griffe mit denen das Iphone besser in der Hand liegen soll, doch dazu müsste ich mein Iphone immer aus dem Exolens Case nehmen und könnte das Objektiv nicht verwenden.

Apropos Objektiv, das Exolens gibt mir schon einiges mehr an Feiraum, wenn ich einen zweifachen optischen Zoom durch dieses Objektiv habe und deutlich näher an mein Sujet herankomme. Die Qualität der Linse ist auch erstaunlich, man sieht kaum Einbusen in der Qualität. Allerdings geht es auf Kosten der Handhabung und Flexibilität. Weil das Iphone durch die schwere Metalllinse einseitig stark an Gewicht gewinnt und dadurch noch unruhiger in der Hand liegt. Das ständige auf- und abgeschraube ist auch ziemlich mühselig, da alles über ein Mini-Gewinde funktioniert. Eigentlich bräuchte ich daher entweder zwei Iphone’s oder müsste mich auf eine Brennweite festlegen.

Aber es gibt keinen Grund zu meckern. Es ist und bleibt ein von mir selbst gewähltes Experiment und es sind mir auch schon ein paar ansehnliche Fotos gelungen. Das ist schon etwas. Doch ich merke, dass ich ein ganz anderer Fotograf mit dem Iphone bin. Oder vielleicht kommt dadurch nur eine Seite in mir zum Vorschein, die ich so noch nicht kannte?

Ein abschließendes Fazit kann ich noch nicht ziehen. Ich muss die Bilder zu Hause erst einmal am großen Bildschirm und gedruckt sehen. Dann kann ich vielleicht mehr dazu sagen. Bis dahin ist alles noch offen und ich bin gespannt, welche Motive mir auf den restlichen 15 Tagen unserer Reise noch begegnen werden.

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Corwin von Kuhwede

Mein Name ist Corwin von Kuhwede, ich arbeitet seit 2005 als freiberuflicher Fotograf mit Schwerpunkt in der Porträt- & Aktfotografie. Ich bin Autor von Fachbüchern zum Thema Fotografie und gebe Seminare, Coachings und Trainings für fortgeschrittene Fotografen. Auf dieser Seite schreibe ich Artikel und produziere Videos zu allen möglichen nicht-technischen Themen der Fotografie. Wenn dir meine Inhalte gefallen, freue ich mich über einen »Daumen«.

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