Selbstbild, Fremdbild und Spiegelbild

Selbstbild, Fremdbild und Spiegelbild

Sicher ist dir schon aufgefallen, dass du im Spiegel anders aussiehst, als auf einem Foto. Doch warum ist das so? Die Antwort ist einfach. Der Spiegel zeigt das Bild von dir spiegelverkehrt, die Kamera zeigt es so, wie andere dich sehen. Doch welches Bild entspricht nun der Realität? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Für die Realität der anderen ist das Kamerabild das Richtige. Für deine eigene Realität, das Spiegelbild. Quasi ist ein spiegelverkehrtes Bild die Realität, die wir von uns haben. Verrückt, oder?

Aus diesem Grund müsstest du jedes Foto von dir einmal horizontal spiegeln, damit dich das Foto so zeigt, wie du dich selbst im Spiegel siehst. Probiere es einmal aus, du wirst überrascht sein.

Nun haben wir aber nicht nur ein äußerliches Bild von uns selbst, sondern auch ein inneres. Und das ist eine Herausforderung, vor der man als Berufsfotograf ständig steht.
Nehmen wir einmal an unser Kunde sieht sich selbst als besonders freundlich, offen und herzlich. Und nehmen wir ebenso an, dass dem Kunde seine Nase nicht gefällt. Wir als Fotograf kennen das Bild, das der Mensch vor der Kamera von sich selbst hat, nicht. Wir sehen den Menschen unvoreingenommen ohne irgend ein geprägtes Bild. Nun stellen wir uns ebenso vor es entstehen bei einem Fotoshooting Bilder, auf denen der Kunde nicht lacht und man ihn von der Seite sieht, quasi im Profil. Es kann passieren, dass der Kunde sich nicht gefällt. Denn er könnte beanstanden, dass er auf den Fotos so ernst schaut und dass seine Nase so groß wirkt. Denn wenn jemand auf einem Foto genau das sieht, was er an sich nicht mag, dann findet er das Foto schlecht – egal wie gut es ist.

Was kann man in diesem Falle tun?

Ich persönlich rede über dieses Thema bei meinen Vorgesprächen mit Kunden. Ich sage Ihnen, dass ich sie durch meine Augen sehe und mich auf das konzentriere, was mir gefällt. Und es kann durchaus sein, dass mein Fremdbild nicht zu dem Selbstbild passt, dass der Kunde von sich hat. Ich frage meine Kunden oftmals auch ganz konkret, welches Bild sie von sich haben, wie sie sich sehen. Ich frage auch was sie besonders an sich mögen, was sie nicht mögen. Das hilft mir viel besser zu verstehen, wie der Mensch selbst von sich denkt. Dann berücksichtige ich diese Informationen bei meinem Fotoshooting. Beispielsweise achte ich darauf, dass ich den Menschen nicht zu oft im Profil fotografiere, da dann vielleicht die Form seiner Nase noch mehr zur Geltung kommt. Oder aber ich lockere das Shooting immer etwas mit unterhaltsamen Anekdoten auf, damit der Kunde auch mal lacht. Sollte derjenige oder diejenige ihren Po nicht so mögen, dann sorge ich eben dafür, dass er nicht so oft auf dem Bild ist. Außer der Po ist wirklich sehr schön und ich schaffe es meinem Kunden mit meinem Bild vom Gegenteil zu überzeugen. Das wäre natürlich klasse.

Egal wie sich der Kunde sieht, wichtig ist, dass du deinem fotografischen Stil treu bleibst, aber dennoch die Interessen deines Kunden berücksichtigst. Denn der Kunde hat sich dich ja nicht ohne Grund ausgesucht. Wenn es in deinem Portfolio keine Bilder von lachenden Menschen gibt, dann solltest du deinen Kunden fragen, warum er dich ausgewählt hat, wenn er beanstandet, dass er so ernst schaut. Erkläre ihm, dass Fotografie mehr ist als nur lachende und glückliche Menschen. Erzähl ihm davon was du an Menschen magst, auf was du achtest. Das wird ihm helfen dich zu verstehen.

Wichtig ist eben eines, dass ihr vorher miteinander gesprochen habt und herausfindet, ob eure Interessen und Vorstellungen auch zusammen passen. Dann ist es viel leichter, dass die Menschen sich auf deinen Fotos auch wirklich gefallen. Denn es ist natürlich auch ein großer Vorteil einen Menschen von außen zu sehen. Du kannst ihm so Seiten an sich zeigen, die er vielleicht noch nicht kannte.

Es gibt übrigens auch Fotografen, die spiegeln alle ihre Bilder, weil sie meinen, dass sich die Kunden so besser gefallen. Denn so sehen sie sich auf dem Foto, wie sie sich aus dem Spiegel kennen. Das ist ein spannendes Experiment. Vielleicht probierst du es mal?

Was sind deine Erfahrungen mit dem Selbstbild, Fremdbild und Spiegelbild? Wie handhabst du das in deinen Shootings? Schreib mir einen Kommentar.

 

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Corwin von Kuhwede

Mein Name ist Corwin von Kuhwede, ich arbeitet seit 2005 als freiberuflicher Fotograf mit Schwerpunkt in der Porträt- & Aktfotografie. Ich bin Autor von Fachbüchern zum Thema Fotografie und gebe Seminare, Coachings und Trainings für fortgeschrittene Fotografen. Auf dieser Seite schreibe ich Artikel und produziere Videos zu allen möglichen nicht-technischen Themen der Fotografie. Wenn dir meine Inhalte gefallen, freue ich mich über einen »Daumen«.

This Post Has 2 Comments

  1. lulu

    Wie schön, das mache ich auch so, ich frage erst was sie besonders an sich mögen und dann was eher weniger.
    Das gibt dem Kunden Sicherheit und ich finde Sicherheit lässt einen entspannen. Wenn ich zum Beispiel möchte, dass der Kunde ganz sanft schaut, dann sage ich ihm was er sich vorstellen soll, das sind Dinge die ich vorab im Vorgespräch rausgehört habe. Wie zum Beispiel die Mutter die davon träumt, dass ihre Tochter mal heiratet. Als ich ihr sagte, dass sie sich ihre Tochter im weißen Kleid die Kirche reingehen, vorstellen sollte, ist es fast wie Magie gewesen, es war wahnsinn wie sich das Gesicht entspannt hat und die Augen anfingen zu leuchten.
    Außerdem finde ich, dass man unvoreingenommen auf die Menschen zugehen soll. Ich hätte mir gewünscht, dass man meine „Angst“ vor der Kamera ernst nimmt und nicht davon ausgeht, dass es nur ein Scherz ist, nur weil ich selbst Fotografin bin. Aber auch die Erfahrungen vor der Kamera bei verschiedenen Fotografen sind immer eine super Weiterentwicklung für mich. Liebe Grüße

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