Kunstlicht und Blitzlicht kombinieren

Kunstlicht und Blitzlicht kombinieren

Kunstlicht und Blitzlicht kombinieren ist für viele eine Herausforderung. Dabei ist das denkbar einfach. In diesem Artikel möchte ich dir zeigen wie es geht.

Eine einfarbige dunkle Wand, ein Sessel, eine alte Oma-Lampe vom Antikmarkt und ein attraktives Modell – mehr braucht man nicht um eine Wohnzimmer-Stimmung ins Studio zu zaubern. Doch oft stoßen wir auf technische Hürden, wenn wir das Modell mit einem Blitz belichten und dabei das Umgebungslicht auch sichtbar machen möchten. Denn entweder die Stehlampe (die auch jede andere Lichtquelle sein kann) ist richtig belichtet, doch der Blitz macht das restliche Bild zu hell, oder aber unser Blitz ist richtig belichtet, dafür sieht man das Licht der schwachen Lampe (hier 40 Watt) nicht mehr.

Es gibt einen einfachen Ansatz, wie beides miteinander kombiniert werden kann. Der Schlüssel heißt Belichtungszeit. Wenn wir bedenken, dass beim Einsatz von Blitzlicht die Verschlusszeit unserer Kamera keine Rolle für die Belichtung des Bildes spielt (denn wenn ich im Studio blitze ist das Bild mit 1/60s gleich belichtet wie mit 1/160s), sind wir der Lösung schon einen Schritt näher. Wir stellen unsere Kamera auf ein Stativ und den Blitz auf seine kleinstmöglichste Leistung (in meinem Falle ein 250W Blitz). Mein Blitz steht auf der rechten Seite von mir und scheint von schräg oben durch eine 60x120cm Softbox auf mein Modell. Da ich selbst nie mit einem Belichtungsmesser arbeite, sondern stets nur auf mein Display schaue, ob die Belichtung richtig ist, stellen wir nun unsere Werte von ISO und Blende entsprechend so ein, dass unser Modell richtig belichtet ist. Das Histogramm der Kamera kann da eine Hilfestellung sein. In meinem Falle sind die Werte ISO 100 bei Blende 2,2 (es funktioniert auch ISO 200 und Blende 3,2 usw.). Ich arbeite übrigens mit einem 85/1.8mm Objektiv an einer Vollformatkamera.

Kunstlicht Blitzlicht kombinieren

Nun schalten wir die Lampe im Hintergrund ein, machen ein paar Testfotos und ändern die Zeit an unserer Kamera dahingehend, dass das Licht der Lampe uns korrekt belichtet erscheint. In meinem Falle ist das 1/20s. An dieser sehr langen Verschlusszeit sehen wir auch, warum wir ein Stativ benötigen. Denn um 85mm bei 1/20s zu halten, sollte man vorher schon 2h meditiert haben, um eine ruhige Hand zu haben. Jetzt könnte jemand anmerken, dass sich das Modell ja leicht bewegt und dadurch unscharf werden könnte. Dem ist aber nicht so, da durch die kurze Abbrennzeit des Blitzes (1/600 – 1/5000s) das Modell ja quasi mit einer enorm kurzen Zeit belichtet wird und dadurch gestochen scharf und eingefroren ist.
Die Lampe im Hintergrund erspart uns außerdem noch einen Aufheller von links, da das von ihr fallende Licht eine wunderschöne Lichtkante auf der linken Seite des Modells wirft, um es vom dunklen Hintergrund zu trennen und dem Bild so mehr Tiefe zu geben.
Dar Sessel bildet aus gestalterischer Sicht den Vordergrund, das Modell den Mittelgrund und die Lampe samt Wand mit dem angeschnittenen Bild den Hintergrund. Wir haben hier eine wundervolle räumliche Tiefe über 3 Ebenen.

Die Postproduction ist denkbar einfach, denn viel müssen wir an unserem Bild nicht mehr machen. Die unterschiedlichen Farbtemperaturen von Kunst- & Blitzlicht stören uns nicht, da unser Bild sowieso Schwarzweiß werden soll.

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Wir öffnen unsere RAW-Datei (ich empfehle immer in RAW zu fotografieren) im Raw Converter von Adobe (hier am Beispiel noch mit Version CS5) und überprüfen als erstes die Belichtung über das Histogramm und passen diese ggf. über „Belichtung“, „Wiederherstellung“ und „Schwarz“ an.

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Über den Reiter „HSL/Graustufen“ nehmen wir dann die Schwarzweißumwandlung vor. Hier gibt es keine allgemeingültigen Regeln, sondern die Umwandlung sollte stets nach persönlichem  Empfinden erfolgen und ist abhängig von der Farbtemperatur des Bildes, den Hauttönen und der Haarfarbe des Modells sowie den im Bild enthaltenen Farben.

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Eine Beautyretusche ist bei der tollen Haut meines Modells nicht nötig und das obwohl wir ohne Visagistin gearbeitet haben (was ich übrigens in 90% meiner Shootings mache). Das spart viel Zeit und Geld. Über den Reiter „Gradationskurven“ schrauben wir nun noch etwas am Kontrastumfang unseres Bildes, können eventuell noch den Beschnitt ändern und runden das ganze Werk noch über den Reiter „Effekte“ mit einer Vignette ab.

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Fertig ist das Bild. Viel Spaß beim Ausprobieren.

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Corwin von Kuhwede

Mein Name ist Corwin von Kuhwede, ich arbeitet seit 2005 als freiberuflicher Fotograf mit Schwerpunkt in der Porträt- & Aktfotografie. Ich bin Autor von Fachbüchern zum Thema Fotografie und gebe Seminare, Coachings und Trainings für fortgeschrittene Fotografen. Auf dieser Seite schreibe ich Artikel und produziere Videos zu allen möglichen nicht-technischen Themen der Fotografie. Wenn dir meine Inhalte gefallen, freue ich mich über einen »Daumen«.

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