Für Geld zieh‘ ich mich aus

Für Geld zieh‘ ich mich aus

Eigentlich ist diese Seite hier für Fotografen gedacht. Dennoch brennt mir ein Thema auf der Seele, das ich gern loswerden möchte. Liebe Models, es geht um euch. Um genau zu sein, um den Umgang mit Aktfotoshootings.

Modeln ist für die einen ein Hobby, für andere ein ganz normaler Beruf. Jedes Berufs-Model hat sich dabei auf einen ganz bestimmten Bereich spezialisiert. Manch eines arbeitet als Beautymodel, Fashionmodel, Porträtmodel, Lifestylemodel, Werbemodel oder als Aktmodel. Natürlich ist es bei einem Profimodel ganz selbstverständlich, dass seine Arbeit entsprechend honoriert wird. Wenn es das möchte. Denn wie bei uns Fotografen, arbeiten auch viele Profi-Models hin und wieder kostenlos. Entweder um ihr Portfolio aufzufrischen, ihr Netzwerk zu erweitern oder weil sie einfach Lust darauf haben. Die Entscheidung trifft jeder für sich.

Die meisten Models stehen nicht für den Bereich Aktfotografie zur Verfügung und haben sicher ihre Gründe dafür. Jeder setzt seine Prioritäten. Es gibt eine weitere Gruppe von Models die sagen, dass sie Aktfotos nur mit ausgewählten Fotografen machen, von deren Arbeit sie überzeugt sind. Das finde ich absolut nachvollziehbar. Diese Models haben eben einen hohen Anspruch und ziehen sich nicht für jeden aus. Für sie muss die Qualität passen, da kann nicht jeder x-beliebige „Knipser“ dahergelaufen kommen, man muss schon zeigen, dass man etwas drauf hat. Ist für mich auch ganz klar. Denn würden sie sich von blutigen Anfängern oder Kollegen mit – nennen wir es fragwürdiger Qualität – fotografieren lassen, wäre der Ruf schnell ruiniert. Denn wer möchte schon ein Model (ernsthaft) fotografieren, von dem dubiose Fotos durch das Netz gehen?!

So weit so gut.

Es gibt allerdings noch die dritte Art von Modellen. Diejenigen die im Bereich Porträt, Beauty oder Fashion kostenlos arbeiten, für Aktfotos aber Geld möchten. Hier stößt mein gesunder Menschenverstand an seine Grenzen. Ist denn die Zeit, die die Damen bekleidet sind, weniger Wert, als die Zeit in der sie unbekleidet sind? Wirft man mit solch einem Standpunkt nicht alle eigenen Werte über Bord und verkauft seine Prinzipien? Denn in dem benannten Falle entscheidet ja nicht die Qualität des Fotografen über eine Zusammenarbeit, sondern einzig und allein die Quantität, also der Geldbeutel. Ob die Nacktheit dabei 50€ oder 5000€ kostet spielt am Ende keine Rolle. Es gilt im Kleinen wie im Großen.

Wer jetzt sagt, die Dame lebt ja davon und muss ihre Rechnungen bezahlen, dann frage ich: „Muss sie denn ihre Rechnungen nicht bezahlen, wenn sie angezogen bleibt?“ Also wie ich es drehe und wende, es ergibt für mich irgendwie keinen Sinn.

Ich bin jetzt seit mehr als 12 Jahren als Fotograf im Geschäft und ich glaube ich kann von mir behaupten, dass ich die Branche etwas kenne und weiß wie sie funktioniert. Ich weiß aber auch eins. Wenn ich auf eine Sedcard stoße, auf der ich einen Satz, wie den oben genannten, finde, dann klicke ich diese Sedcard ganz schnell wieder weg. Nicht weil ich nicht bereit wäre, ein Model zu bezahlen. Sondern weil mir dieses Model mit diesem Satz eine ganz klare Botschaft sendet.

„Geld ist mir wichtiger als fotografische Qualität.“

Liebe Damen, mal Butter bei die Fische. Vielleicht fragt ihr euch kritisch, ob ihr euch mit solchen Standpunkten wirklich einen Gefallen tut, oder ob es euch nicht eher schadet. Zumindest dann, wenn ihr das Modeln wenigstens halbernst betreibt oder betreiben wollt. Und vor allem dann, wenn ihr von etablierten Fotografen ernst genommen werden möchtet.

Schreibt doch vielleicht lieber so etwas wie „Akt fotografiere ich nur mit Fotografen, die ein gewisses Qualitäts-Level erreicht haben.“ oder „Mit wem ich Aktshootings mache, entscheide ich nach der Qualität der Bilder.“ Das zeigt, dass ihr Klasse habt und Anspruch! Genau das was ich mir wünschen würde! Ob ihr am Ende für euren Job Geld nehmt oder nicht, ist noch immer euch überlassen. Aber ihr drückt euch damit nicht diesen „Schmuddel-Stempel“ selbst auf.

Oder vielleicht gibt es bei diesem ganzen Thema einen Aspekt, den ich bisher noch nicht berücksichtigt habe und der mich noch im dunkeln tappen lässt? Vielleicht ergibt ja alles Sinn. In diesem Falle freue ich mich natürlich über einen aufklärenden Kommentar!

 

Du möchtest weitere spannende Lerninhalte für Fotografen?

Werde kostenlos Teil der Fotogrow-Community.

Bevor du dich hier anmeldest, lies bitte meine Datenschutzerklärung

Deine Daten werden 100% vertraulich behandelt. Du erhältst von mir Neuigkeiten, Tipps und Empfehlungen für dein fotografisches Wachstum.

Corwin von Kuhwede

Mein Name ist Corwin von Kuhwede, ich arbeitet seit 2005 als freiberuflicher Fotograf mit Schwerpunkt in der Porträt- & Aktfotografie. Ich bin Autor von Fachbüchern zum Thema Fotografie und gebe Seminare, Coachings und Trainings für fortgeschrittene Fotografen. Auf dieser Seite schreibe ich Artikel und produziere Videos zu allen möglichen nicht-technischen Themen der Fotografie. Wenn dir meine Inhalte gefallen, freue ich mich über einen »Daumen«.

This Post Has 8 Comments

  1. Holger

    Hallo Korwin,
    diesen Beitrag finde ich mal richtig gut, ich denke auch immer an Prostitution wenn ich solche Sätze lese…
    Warum das manche Models schreiben kann ich auch nicht nachvollziehen. Ich kann mir jedoch gut vorstellen das sie damit erreichen wollen die „Knipser“ oder die denen es mehr um die Nacktheit geht als die Fotografie, abzuschrecken. Ich denke jedoch das man hiermit genau das Gegenteil erreicht. Die (schwarzen Schafe) bezahlen gerne dafür solange das Mädel sich auszieht und am besten noch ein paar „PinkShots“ drin sind…

    Ich gehe sogar soweit das auf vielen Sedcards auf denen der Satz zu finden ist, die Qualität auch entsprechend… ist, sofern man denn überhaupt Aktaufnahmen findet.

  2. Sven J.

    Prostitution bezeichnet die Vornahme sexueller Handlungen gegen Entgelt. Wie man daher das Verlangen eines (weiblichen) Models für eine Aktaufnahme bezahlt zu werden als Prostitution bezeichnen (oder auch nur assoziieren) kann, ist mir schleierhaft. Es zeugt entweder von schlichtem Unverständnis, einer männlichen geprägten Opfermentalität oder aber einem im Denken verankerten Machoverhalten.

    Sehr geehrter von Kuhwede, ob Sie Preise gewonnen und oder Bücher geschrieben haben ist unabhängig davon, wie unsympathisch Sie mir hier rüberkommen, indem Sie nicht nur den Entlohnungswunsch einiger Models diskreditieren, sondern auch, weil Sie potentielle Models abwertend als „Mädels“ bezeichnen.

    Als Mann würde ich es begrüßen, wenn weibliche Models eine Zusammenarbeit mit Ihnen aufgrund Ihrer Einstellung ablehnen.

    1. Lieber Sven,

      vielen Dank für deine persönliche Meinungsäußerung zu diesem Thema.

      Mein Satz „Warum muss ich da an Prostitution denken?“ ist sicher eine provokante Frage. Das ist auch so gewollt. Doch es ist und bleibt eine Frage bzw. mein Gedanke und wird dadurch noch lange nicht zur Tatsache.

      Doch eines ist nach wie vor interessant. Egal wie gut oder schlecht jemand das findet, was ich hier schreibe. Eine Antwort, die den Kern des Themas angeht, konnte mir bisher dennoch niemand geben.

      Corwin
      PS: „Mädels“, ist von mir genau so wertfrei gemeint, wie wenn meine Partnerin sagt, sie macht heute „Mädelsabend“. Jedem ist es freigestellt mit einem Begriff etwas positives oder negatives zu verbinden. In meiner Kindheit hieß es auch noch Negerkuss, ohne dass man dadurch gleich ausländerfeindlich war.

  3. Jochen

    Gut formuliert aber vielleicht am Kern der Sache vorbei gedacht?
    “ Ist denn die Zeit, die ihr bekleidet seid, weniger Wert, als die Zeit in der ihr unbekleidet seid? “
    Indirekt ganz klar „Ja!“, denn bekleidet riskiert die Dame halt nur den Nachmittag, unbekleidet vielleicht mehr: Karriere / Job (z.B. als Erzieherin im Dienst der katholischen Kirche) oder vielleicht auch „nur“eine saftige Anwaltsrechnung zur Schadensbegrenzung?
    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, kostet aber extra Zeit, ggF über Jahre.
    Professionelle Hilfe kostet Geld das man sonst nicht verdienen müsste. Was mag die Gestaltung eines wasserdichten Vertrages, der die Veröffentlichung von Nacktfotos mit erkennbarem Gesicht im Internet qua Strafvereinbarung verhindert, kosten?

  4. Lieber Jochen,

    danke für deine Meinung. Was tangiert es allerdings die von dir genannte Karriere, ob Geld nimmt oder nicht? Auch hier komme ich zu dem Punkt zurück, das dann eher die Frage der Qualität entscheidend ist und u die Quantität. Findest du nicht?

  5. Rodinmuse

    Hallo Corwin,
    ich bin durch Zufall auf Deine „Denkmodelle“ gestossen und bedanke mich – auch im Namen derjenigen Modelle, die das auch so sehen, aber vielleicht nicht so gut ausdrücken können – für Deine Gedanken und Standpunkte dazu.
    Ich stehe seit knapp 25 Jahren Modell (seit 10 Jahren hauptberuflich). Und immer mal wieder soll ich mich dafür rechtfertigen, dass ich mir als größtenteils Maler- und Bildhauermodell und diejenige, die im Netz öffentlich zugänglich nackt zu sehen ist, die Qualität oder die Historie, Beispielfotos oder Fotokonzepte der Fotografen im Vorfeld eines potentiellen Shootings anschauen möchte.
    Genau Ihr Aufzeigen ist der springende Punkt. Ich ziehe mich gern aus – wenn das Konzept und das Ziel beider Seiten stimmen. Die dritte Art Deiner genannten Modelle habe ich noch nie verstanden und teile auch all denjenigen, die es so handhaben, immer wieder mit, dass sie damit die Preise für mich als (malerisches) Portraitmodell ebenso kaputt machen, wenn sie angezogen kostenlos arbeiten, aber nackt plötzlich Geld wollen.
    Ich beschäftige mich viel mit dieser Materie, schreibe in Kuntszeitschiften darüber und habe in Philosophie meine Bachelorarbeit über die Anerkennung des Aktmodells verfasst und mit Erfolg abgeschlossen.
    Aber verstanden, verstanden habe ich die von Dir kritisierte Handhabe der dritten Kategorie Modelle auch nach 25 Jahren nicht! Danke für diese offenen Überlegungen. Von Fotgrafen selten und es lässt mich hoffen, dass einige Menschen HINTER der Linse doch nicht ganz so gedankenlos an die Arbeit mit Modellen gehen wie es oft den Anschein für mich hat.

  6. Rodinmuse

    Hallo Corwin,
    ich hatte gestern Abend einen Kommentar aus der Sicht eines Aktmodells zu Deinen Ansichten hier gepostet, aber nun ist er nicht mehr da. Darin hatte ich Dir zugestimmt und einige Anmerkungen aufgeführt.
    Sondierst Du die Kommentare, die Du hier veröffentlichen lässt, oder warum ist mein Posting nicht mehr zu finden?
    Das fände ich sehr schade, denn andererseits hast Du auch einen sehr kritischen hier stehen lassen.
    Gruß Rodinmuse

    1. Liebe Tanja,

      vielen lieben Dank, dass du aus Sicht des Models deine Gedanken mit mir geteilt hast. Es freut mich sehr, dass du damit den Kreise der männlichen Fotografen aufbrichst.
      Dein Kommentar war deswegen noch nicht sichtbar, weil ich jeden Kommentar händisch freigebe, bevor er erscheint.

Schreiben Sie einen Kommentar