Blick auf die DVD „Master Of Nude Photography“ von Andreas Bitesnich

Blick auf die DVD „Master Of Nude Photography“ von Andreas Bitesnich

Was nahm ich bei „Master Of Nude Photography“ von Andreas Bitesnich mit?

In diesem Artikel möchte ich die aktuelle Lern-DVD Master Of Nude Photograph“ von Andreas H. Bitesnich vorstellen.

Ständig auf der Suche nach der persönlichen und fotografischen Weiterentwicklung stieß ich vor kurzem auf das besagte Stück. Ich sah mir das Teaser-Video und die Arbeiten von Bitesnich an. Beides überzeugte mich davon, dass ich gern mehr von diesem Fotografen erfahren möchte. Vor allem weil die Aktfotografie neben der Porträtfotografie ja genau mein Bereich ist. Auf der Webseite von Bitesnich und auch im Heise Online Shop fand ich dann die DVD zum Kauf. Doch was sah ich da? Da stand doch wirklich ein Preis von 249€. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Für diesen Preis bieten viele Fotografen schon ein Seminar im echten Leben an. Aber hey, Bitesnich ist international bekannt und wenn für diesen Preis muss es ja spannendes Wissen auf der DVD geben. So dachte ich mir. Also kaufte ich mir ein Exemplar.

Als die DVD hier ankam, war ich schon ganz aufgeregt. Vor allem weil ich in Interviews auch erfuhr, dass hier wohl Monate lange Arbeit und ein sechsstelliges Produktionsbudget drin stecken. Da hat sich wohl jemand richtig Arbeit gemacht und mal endlich eine DVD produziert, die neue Maßstäbe setzt. Das Coverbild sah schon mal klasse aus und auch die ganze Aufmachung wirkt elegant, schlicht und dabei professionell. Insgesamt sind 2 DVD’s enthalten, eine für den Rechner und eine für den DVD-Player. Auf der für den Rechner sind auch die Beispielfotos jedes Shootings enthalten. Die erste Hürde ergab sich beim Abspielen der mp4-Dateien der Rechner-DVD. Leider liefen diese nur sehr holprig, so dass ich die DVD-Variante nutzte.

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Der Anfang fesselte mich bereits, denn Bitesnich began mit den Worten „When I began Studio Photography I did not had much Studio Equipment. But than someone said to me, the best photographers started with one light.“ Was für eine Aussage! Und so ging das erste Shooting auch mit einer einzigen Glühbirne als Lichtquelle los. Meine Freude war groß, bin ich doch auch ein Freund von technischem Minimalismus. Meine Hoffnung stieg, dass ich nun viel über Licht, dessen Wirkung und den Umgang mit dem Model erfahre. Bitesnich sagte einiges zur verwendeten Technik, die zum Einsatz kommt und legte dann bereits los das Model zu fotografieren. Er meinte zwar, dass er ein Shooting immer damit beginnt zu prüfen, welche Lichtrichtung dem Model am besten steht, aber es folgen darauf keine weiteren Erläuterungen, die man selbst für sich mitnehmen und in die Shootings einfließen lassen kann. Hier hätte mich interessiert, auf was genau er da achtet? Wonach entscheidet er welche Richtung für welchen Typ geeignet ist? Was sollte man vermeiden? Worauf schauen?
Ähnlich war es auch beim Einsatz des Reflektors. Er sagte nur, dass er einen Reflektor nutzt, um die Schatten aufzuhellen. Aber warum es eine Styroporplatte ist, warum genau in dieser Größe, von dieser Seite, mit diesem Abstand und in diesem Winkel, darüber verliert er kein Wort. Die Sequenz des Shootings selbst dauerte nur etwas um die 3 Minuten, innerhalb dieser kam dann auch noch Neonlicht zum Einsatz! Gleich danach wechselte er in Capture One, in dem er die Bildauswahl traf und das Bild bearbeitete. Dann ging es noch einmal 2 Minuten weiter mit einem Studioblitz als Lichtquelle. Insgesamt ging das erste Kapitel nur knapp 15 Minuten!

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Ich war etwas enttäuscht über das erste Kapitel, war es doch sehr kurz gefasst und ging nicht wirklich in die Tiefe. Ich wusste nun zwar wo Bitesnich seine Lampe aufstellt, wo seinen Reflektor und beobachtete ihn beim Fotografieren des Models, aber wirklich etwas erfahren habe ich nicht. Nun gut, im Kapitel 2 wird es dann sicher etwas mehr in die Tiefe gehen. Sicher will er sich nur langsam vorarbeiten. Im Kapitel 2 war dann nichts mehr von technischem Minimalismus zu finden. Hier wurde ein Set mit einem weißen Hintergrund aufgebaut, bei dem 4 Blitzlampen an Hensel-Generatoren zum Einsatz kamen. Außerdem wurde ca. 3 Meter hohe Reflektorenwände gebaut, in die diese indirekt strahlten. Man sah hier also ein Set, das nichts mehr für den Amateur zu Hause war. Der Ablauf war wieder der gleiche. Es wurde kurz etwas zur Technik und dem Licht gesagt und dann ging das Shooting schon los um am Ende wieder in Capture One zu landen. Dieses Kapitel hatte eine Spieldauer von ca. 8 Minuten.

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So zog es sich dann über alle weiteren Kapitel hin. Die Bilder waren oftmals großartig, gar keine Frage. Aber ich erfuhr – außer durch das Hinschauen – nichts über seine Arbeitsweise. Bitesnich arbeitet offensichtlich nur mit Profi-Modellen, weswegen zwischen ihnen und ihm kaum eine Kommunikation stattzufinden scheint. Seine Assistenten bauen das Set auf, er misst alles nach, korrigiert eventuell und startet dann mit dem Fotografieren. Über Kommunikation und Regie erfährt man leider nichts. Das was er an jedem Ende in Capture One sagt ist in jedem Kapitel auch sehr ähnlich.

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Als 6. Set sah man ein großes Wasser-Becken, das für das Shooting mit Holzbalken und Planen auf mehreren Quadratmeter gebaut wurde. Es war schon eindrucksvoll wie er hier mit nur einer Lichtquelle (eine mehrere Meter große Softbox, die durch einen Diffusor leuchtete) eine Sonnenuntergangs-Stimmung zauberte. Die Bilder wirken wundervoll und man denkt es wäre irgendwo an einem Strand entstanden. Doch zum Nachmachen ist das nichts. Die Kosten und der Aufwand stehen vielleicht dann im Verhältnis wenn es ein Kunde bezahlt oder man so gut im Geschäft ist, dass man mehrere tausend Euro mal in eine Strecke stecken kann.

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Fazit:

Die DVD ist technisch sehr hochwertig produziert. Ton und Bild harmonieren wunderbar miteinander. Auch der Schnitt ist sehr stimmig und vermittelt stets die Ruhe, die bei Bitesnich’s Shootings vorzuherrschen scheint. Doch inhaltlich habe ich für mich kaum etwas mitnehmen können. Nicht, weil ich bereits auf 11 Jahre Aktfotografie zurückblicken kann, sondern weil Bitesnich mir nicht wirklich etwas erzählt hat. Ich erfuhr weder etwas über seine Denkweise, noch über seinen Umgang mit den Modellen, noch über die Feinheiten des Lichts, die Anatomie des Körpers oder über Bildaufbau. Ich hatte eher das Gefühl mit leeren Händen ausgegangen zu sein. Am häufigsten wiederholte er den Einsatz seines Colourmeters und Belichtungsmessers, mit denen er Farbtemperatur und Lichtleistung maß.
Auch wenn ich mich in die Position des Amateurs begab, wurde es nicht besser. Denn für einen Amateur wurde hier viel zu viel Wissen vorausgesetzt, als dass es für diese Gruppe von Fotografen interessant sein könnte. Das bestätigte mir meine Partnerin, die mit mir diese DVD schaute und von Fotografie nicht viel verstand. Und nun frage ich mich, wer ist die Zielgruppe für diese DVD? Für mich waren die 249€ keinesfalls sinnvoll investiert, vor allem wenn man bedenkt, dass es ingesamt nur 85 Minuten Spielzeit sind. Sie hat maximal den Anspruch Bitesnich bei der Arbeit oberflächlich über die Schulter zu schauen, um dann in einem seiner Seminare in die Tiefe gehen zu können. Doch ob das seine Absicht ist und der Preis dafür gerechtfertigt ist, darüber kann ich nur spekulieren.

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Corwin von Kuhwede

Mein Name ist Corwin von Kuhwede, ich arbeitet seit 2005 als freiberuflicher Fotograf mit Schwerpunkt in der Porträt- & Aktfotografie. Ich bin Autor von Fachbüchern zum Thema Fotografie und gebe Seminare, Coachings und Trainings für fortgeschrittene Fotografen. Auf dieser Seite schreibe ich Artikel und produziere Videos zu allen möglichen nicht-technischen Themen der Fotografie. Wenn dir meine Inhalte gefallen, freue ich mich über einen »Daumen«.

This Post Has One Comment

  1. Oskar Hemm

    Hallo, danke für den schön geschriebenen Artikel. In vielen Punkten kann ich dir übereinstimmen. Für mich hat sich der Kauf der DVD aber dennoch sehr gelohnt. Ich betreibe jetzt nicht den Aufwand wie A. Bitesnich, es wäre mir finanziell im Moment auch nicht möglich, aber dadurch bekommt man schon einen Eindruck was zumindest machbar ist. Ein Pluspunkt für die DVD wie ich finde. Ich buche Models und bezahlte auch dafür und da ist es sehr angenehm, dass man eben nicht sprechen muss um die Situation aufzulockern, sondern dass beide Seiten freundlich zueinander sind und einfach das Beste versuchen am Ende gute Bilder zu bekommen. Gute Models wissen eben wie sie vor der Kamera posieren müssen und man muss nur kleine Korrekturen durchführen. Ist ja nur das Shooting und nicht das Briefing zwischen Model und Fotografen wo man im Vorfeld schon sehr viel kommuniziert und seine Bildideen zum Ausdruck bringt. Zumindest mach ich es so.
    Technisch war die DVD sehr interessant für mich. Natürlich erklärt Andreas Bitesnich nicht alles genau, jedoch ist das ein Vorteil einer DVD dass wenn man was nicht verstanden hat, es sich nochmal ansieht und eventuell Recherche betreibt warum das so abläuft. Ich für meinen Teil hab mich halt gefreut, dass ich vieles technisch genauso löse wie er und ein paar Dinge die mich inspiriert haben waren auch dabei. Ich habe ein eigenes Studio, jedoch denke ich, dass auch Fotografen ohne eigenem Studio einige Setups sehr gut in Mietstudios umsetzten können. Das mit dem Wasserbecken ist natürlich für die Meisten nicht realisierbar bzw. auch nicht interessant, aber toll war es trotzdem zuzuschauen wie das gelöst wird 😀 240€ sind schon viel Geld, aber in Anbetracht dieses großartigen Fotografen der er für mich ist, war es mir das wert. Vielleicht bringen Sie ja ebenso eine DVD raus, wäre für mich auch interessant, jedoch nicht für 240€. Liebe Grüße, Oskar

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